Indiana Jones und die Machete des Grauens…

Piranha
Requena
schwimmender Rasen
Termiten
Tuk Tuk

 

Die schwüle Hitze klatscht mir förmlich ins Gesicht…erdrückt einen nahezu…wie ein warmes Handtuch nach einem Saunabesuch…feucht…triefend…klebt die Kleidung am Leib und die Hautporen pressen unnachgiebig feine Schweißperlen an die Oberfläche…ich bin im größten Regenwaldgebiet der Erde angekommen…im Amazonasbecken…in Iquitos…der Hauptstadt von Loreto…einer Region Perus, die nahezu genauso groß ist wie Deutschland!

Ich werde vom Flughafen abgeholt…aber nix mit Taxi oder so…nein!…rein in ein Tuk Tuk und rein in das Gewimmel von Iquitos…der größten Stadt der Welt, die nicht per Straße erreichbar ist…es erinnert mich stark an Südostasien…Millionen Mototaxis aka Tuk Tuks brausen durch die Straßen…ein permanenter Schwall an Motorenlärm dröhnt in den Ohren…ein verrückter Ort…nicht sonderlich attraktiv, aber interessant.

Zu meiner Überraschung ist der Besitzer vom Greentrack Hostel im Urlaub und somit niemand anwesend, der auch nur ein Wort Englisch spricht…also irgend ein Übersetzerprogramm, meine rudimentären Spanischkenntnisse und alle verfügbaren Gesten und Grimassen in einen Topf geworfen und dann klappt das schon irgendwie mit der Kommunikation…das Hostel selbst ist auch recht einfach gestrickt…ab und zu ist mal kein Wasser da, aber damit kommt man schon klar…zum Frühstück gibt’s Ei und Früchte…da kann man nicht meckern…am Mittwoch tätige ich noch einige Besorgungen und dann steht auch schon der Trip zum Tapiche Reserve an…dem eigentlichen Grund meiner Anwesenheit…ein 5 Tagestrip in den Süden von Iquitos…knapp 400 km entfernt…abgelegen im Nirgendwo des natürlichen Regenwaldes…vamos!…um 6 Uhr geht’s los…zumindest ist das der offizielle Plan…wirklich los geht es dann erst eine halbe Stunde…dann aber schön hektisch…per Tuk Tuk zu irgend einer Stelle wo wir in ein Auto wechseln…wir das sind Bryan und Rakina aus den USA und meiner einer…der Taxifahrer übersieht dann auch mal den ein oder anderen Geschwindigkeitsbrecher auf der Straße und man muss befürchten, dass die Karre gleich die Biege macht…nach 1,5 Stunden kommen wir in Nauta an und werden wieder in irgend ein Tuk Tuk dirigiert was uns zum Hafen bringt…obwohl Hafen ist etwas übertrieben…eine verdreckte Schräge aus Sand, wo die Boote einfach raufgezogen werden dient als Anlegeplatz…wo wir genau hinmüssen wissen wir allerdings nicht…irgendwann sagen irgendwelche Einheimischen: „Greentrack…Greentrack!?“…und wir folgen ihnen zu einem Passagierboot, welches schon ordentlich voll ist…ich finde Platz neben einem riesigen Dicken…naja Platz ist gut…einen Restzipfel von der Sitzbank…es warten drei Stunden Fahrt…Prost Mahlzeit!…diverse Musiktitel und Schlafphasen später erreichen wir Requena (zu diesem Zeitpunkt wissen wir das allerdings nicht)…alle Mann raus…und jetzt?…etwas verloren stehen wir am Anlegeplatz…überall Dreck und Müll…und Häuser die aussehen, als ob sie gleich zusammenfallen…von einem Empfangskomitee aber keine Spur…keiner weiß wo wir hin gehören und wir haben natürlich auch keine Telefonnummer vom Hostel…prima…ein tipitopi Start!…irgendwann kreutzt dann José (unser Guide) auf…und zusammen gehen wir etwa zu Mittag essen bevor wir in ein kleineres Boot umsteigen und weitere dreieinhalb Stunden den Fluss entlangdüsen…endlich…gegen 17:30 Uhr erreichen wir das Tapiche Reserve…ein paar Holzhütten mit Palmenblättern bedeckt…tief im Amazonas Dschungel…das Reserve wurde von Katoo, dem Greetrackbetreiber, gegründet und das umliegende Areal erstanden…das Projekt soll helfen den ursprünglichen Regenwald zu erhalten…wir werden von Tera begrüßt, die bei Greentrack ein Volontariat macht…sie hilft beim dolmetschen…ansonsten ist noch José Senior aka Pepe vor Ort und als Küchenfee Julio..äähhh Julia…ähh…kurz gesagt eine Frau gefangen im Körper eines Mannes…damit hat nun sicherlich keiner gerechnet…eher schon mit dicken Spinnen…und siehe da…eine fette Pinktoe Tarantula (pinke Fußspitzen) erwartet uns im Dachgebälk des großen Schlafgebäudes…“Hallöchen“…na das kann ja was werden…ich mauschel es direkt so, dass ich in ner anderen Hütte schlafe…mit richtigem Bett und eigener Nasszelle…“das war doch so auf den Bildern auf der Webseite zu sehen“…und erspare mir Hängematte und schlaflose Nächte…man weiß ja nie wann“ Franz“ (so wird er getauft) Nachts mal Appetit bekommt gelle!? Abends gibt es täglich für zwei Stunden Strom…ein Generator wird angeschmissen…danach herrscht totale Finsternis…abgesehen vom wunderschönen Sternenhimmel, der zwischen den Bäumen durchschimmert…zum Glück habe ich eine Stirnlampe und kann so noch schnell Zähneputzen bevor ich in mein Bett schlüpfe…geschützt vom Mosquitonetz…der Klangkörper des Urwaldes ist beeindruckend und beim zirpen der Zikaden schlafe ich irgendwann ein.

Am kommenden Tag starten wir 6:30 Uhr mit dem Boot und begeben uns nach einer kurzen Fahrt auf Erkundungstour durchs Dickicht…es sieht aus wie im Tropenhaus…dicht an dicht drängen sich unzählige Pflanzen und Bäume…zum Glück haben wir Gummistiefel…denn der Weg ist fast ausschließlich feucht bis modrig…mitunter sumpfartig…teilweise müssen wir durch trübes Wasser waten…ich möchte gar nicht wissen was da so genau drin rumkriecht…ich komme mir vor wie Atréju auf dem Weg durch die Sümpfe der Traurigkeit…wir sehen einige Insekten, Affen und Vögel…allerdings recht spärlich…die Wanderung dauert fast 4 Stunden…die feuchte Hitze…die lästigen Mosquitos…das schlaucht ordentlich…zudem ist der Weg nicht sonderlich abwechslungsreich….ich bin etwas gelangweilt und enttäuscht…und letztlich froh als wir wieder zurückfahren…irgendwie hatte ich mehr erwartet! Nachmittags wird es dann besser…wir fahren angeln…und zwar Piranhas…bespickt mit Fischstücken ködern wir die kleinen Biester und ich alter Angelgott hole direkt zwei der Beißwütigen aus den Fluten…hehe…auf dem Rückweg bilden sich dicke blaugraue Wolken und am Übergang zwischen Regen und Abendsonne bestaunen wir einen doppelten Regenbogen…wow…ich bin wieder guter Dinge! Zum Abendessen gibt’s lecker Fisch, welchen Pepe den Tag zuvor geangelt hatte…danach heißt es Licht aus und ab in die Falle. Der zweite Tag startet mit einer Bootstour entlang eines, gefühlt niemals endenden, Nebenarms des Rio Tapiche…mit dabei ist dieses Mal Julio…alles wirkt düster…dunkel…frei nach dem Motto…hier nicht lang Freunde der Blasmusik…wir sehen u.a. Nasenbären und wandern noch zu einem kleinen See bevor wir wieder zurückkehren. Am Nachmittag fahren wir zu einer Lagune wo tausende Silberreiher ein riesiges Spektakel veranstalten…und was taucht da auf einmal auf der Wasseroberfläche auf…ein großer Cayman…gemächlich schwimmt er über das Wasser bevor er im Dickicht verschwindet…das ist schon beeindruckend! Danach beobachten wir noch Flussdelphine und José erspäht sogar ein Faultier, welches sich langsam einem Baumwipfel nähert! Dieser Tag war bisher eindeutig der Beste…am letzten Tag dirigiert uns José erneut in einen Seitenarm…das Ziel ist ein großer See!…doch scheinbar ist das Wasserlevel seit seinem letzten Trip dorthin beträchtlich gesunken und zudem muss ein Sturm gewütet haben…nach nur wenigen Metern ist Schluss…ein Baum versperrt im Wasser liegend den Weg…das wars!…aber denkste!…José, der alte Indiana Jones, zückt seine Machete und säbelt uns den Weg frei…ich summe laut die Indiana Jones Melodie und alle lachen…das wird dann quasi eine Tradition , denn mit diesem Baum war es noch nicht vorbei…bestimmt an die zehn solcher Hindernisse warten auf uns…Büsche, Sträucher…schwimmende Pflanzenteppiche…irgendwas versperrt uns ständig die Weiterfahrt…und während José uns so durch diverses Dickichte manövriert, springen schon mal die ein oder anderen leckeren Spinnen ins Boot „auf der Suche nach Menschenfleisch“…nix für Zartbesaitete!…an einer Stelle müssen wir sogar aussteigen und das Boot ein paar Meter tragen um weiterzukommen…ich zweifle ob wir jemals an diesem „sagenumwobenen“ See ankommen werden…und dann…tatsächlich…nach ca. fünf Stunden…am Ende eines grünen Teppichs, gespickt mit Orchideen, schimmert der See…toll…endlich klares Wasser…es fühlt sich fast wie zu Hause an! Auf dem See verspeisen wir Reis, Tunfisch und Ei und dann müssen wir auch wieder zurück…wir sehen noch Uakaris (Affen) und sogar zwei Tucane…am Abend gibt es dann unsere Piranhas…gegrillt über dem Holzfeuer…ziemlich schmackhaft…obwohl nicht allzu viel dran ist an den Sportfreunden…
Nach drei spannenden Tagen im Regenwald heißt es Abschied nehmen…um 7 Uhr springt der Motor an und es geht zurück…kurz vor Requena springt dann der Motor aus…irgendwas musste ja noch passieren…nach unzähligen Startversuchen gelingt es Indieschließlich den Yamaha 60 PSer zum röhren zu kriegen…puuhhh…ich dachte schon das wars für heute…wir essen noch ein letztes Mal zu Mittag und steigen dann wieder in das Passagierboot ein…ciao José! Es regnet jetzt aus vollen Kannen und zudem ist das Boot noch überbucht…drei Personen müssen auf Plastikschemeln im hinteren Teil des Schiffes die dreistündige Fahrt bewältigen…zu guter Letzt ist irgendwann das Benzin alle und wir treiben auf dem Fluss umher wie ein Stück Holz….in der Hoffnung auf Hilfe…nach ca. einer Stunde trifft dann ein Boot ein, welches uns mit Benzin versorgt…ich sag euch…Sachen erlebt man hier! In Nauta weiß natürlich wieder niemand wohin mit uns…schließlich landen wir per Tuk Tuk in einem Bus, der uns dann nach Iquitos bringt…nach 12 (!) Stunden endlich zurück…ich checke die Ergebnisse der letzten Tage und bin entsetzt ob eines 2:2 gegen Ghana?!…wir ziehen uns fix um und fahren dann noch zum San Juan Festival…dem größten Fest der Stadt…wir strömern durch die Straßen und betrachten die Menschenmassen…gefühlt die ganze Stadt ist auf den Beinen…was für ein Tag!…den Rest meiner Zeit in Iquitos verbringe ich recht gechillt…Fußball gucken…Wäsche waschen…
und mein Ticket für den Bootstrip zur Grenze besorgen…außerdem besuche ich mit zwei Kanadiern den Markt in Belen…dem armen Stadtteil…die Häuser sind auf Pfählen gebaut und überall liegen Berge von Müll rum…das schockiert mich jedesmal aufs Neue!…es wird jetzt langsam Zeit ein paar Stunden zu schlafen…morgen früh um 5 Uhr muss ich auf der Matte stehen…dann startet das Speedboot gen Tabatinga…Samba do Brasil…ich komme!

Spinnen, Affen und Piranhas…

 

Peru